Krisen, Kriege und gesellschaftliche Verwerfungen: Die Debatten in den Parlamenten, Talkshows, aber auch in privater Runde sind in der letzten Zeit hitziger geworden. Nicht selten überkommt einen das Gefühl, dass es in den Diskussionen nicht mehr darum geht, zueinanderzufinden und die Position des Gegenübers zu verstehen, sondern nur noch darum, die eigene Meinung über einen Sachverhalt kundzutun und darauf zu beharren. Besonders in Gleichstellungsdebatten erleben wir dies häufig. In diesem Beitrag wollen wir uns deshalb mit der Frage beschäftigen, wie es zu einer Polarisation kommt und was wir als Gleichstellungsbeauftragte und -aktivist*innen dagegen tun können.

    Triggerpunkte in der Gesellschaft

    In jeder Gesellschaft brodelt eine Vielzahl an ungelösten Dauerkonflikten. In Deutschland können hier beispielhaft die Migration, die Verwendung gendersensibler Sprache oder die Darstellung homosexueller und Trans*-Personen in Schulmaterialien zum Abbau von Vorurteilen genannt werden. Diese Themen kommen einem Trigger gleich, durch den alle Gespräche darüber in der Regel in einer lauten und emotional geführten Debatte enden.

    Meinungslager können entstehen

    Eigentlich haben emotionale Debatten keine direkten Auswirkungen auf moralische Vorstellungen. Dennoch lösen sie ein Gefühl der Ablehnung oder des Zuspruchs in Bezug auf ein Thema oder eine Personengruppe aus. Problematisch wird dies, wenn solche Gefühle in der Öffentlichkeit ständig getriggert werden und Menschen sich dazu aufgefordert fühlen, Position zu beziehen. Dieser Vorgang sorgt zunächst für eine gefühlte Spaltung zwischen den Menschen, die in der Bildung von Meinungslagern enden kann.

    Bildung von Stereotypen

    Eine wichtige Rolle bei der Polarisierung von Gesellschaften spielt auch der Medienkonsum. In den individuell ausgewählten Medien, die häufig den eigenen politischen Ansichten entsprechen, werden oft nur die extremsten Beispiele von Menschen mit einer anderen Meinung gezeigt. Dies verstärkt jedoch die Bildung von Stereotypen und führt zu einer Abneigung gegen Menschen mit einer moderat anderen Meinung.

    Gleichstellung: Ein polarisierendes Thema

    Wie bereits erwähnt können gewisse Facetten des Themas Gleichstellung für emotionale Reaktionen sorgen und zu tiefgreifenden Meinungsverschiedenheiten führen. Natürlich ist es wichtig, in dieser Sache einen klaren Standpunkt zu vertreten. Dennoch sollten wir schauen, dass wir die Debatten um Gleichstellungsfragen entpolarisieren und allen das Gefühl geben, dass sie mitgenommen werden.

    In das Gegenüber hineinversetzen

    Aber wie überzeugt man Menschen, die von Gleichstellung nichts wissen wollen und über eine Benachteiligung des männlichen Geschlechts schwadronieren? Wer Menschen überzeugen möchte, muss sie bei ihren Werten abholen. Wenn Sie also das nächste Mal mit Argumenten gegen eine progressive Gleichstellungsarbeit konfrontiert werden, versetzen Sie sich in Ihr Gegenüber und versuchen, aus Sicht seiner moralischen Werte für eine neue politische Position zu argumentieren.

    Korrigieren von Stereotypen

    Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Abbau von Stereotypen. Vor allem in den sozialen Medien wird die jeweilige Gegenseite im politischen Diskurs meist radikaler dargestellt, als sie ist. So werden Gleichberechtigungsaktivist*innen plötzlich als bevormundend wahrgenommen, anstatt als Personen, die sich für die Rechte aller einsetzen.

    Seien Sie als Gleichstellungsbeauftragte daher in Ihrer Kommunikation transparent und zeigen Sie offen die Motivationen und Ziele Ihrer gleichstellungspolitischen Maßnahmen. Machen Sie dabei deutlich, wer von den Maßnahmen profitiert und dass es sich dabei keineswegs um radikale Positionen handelt.

    Persönliche Erfahrungen reduzieren Feindseligkeiten

    Wie eine Studie der Psychologin Emily Kubin aus dem Jahr 2020 gezeigt hat, sind es weniger Fakten, sondern vor allem persönliche Erfahrungsberichte, die dazu führen, dass Menschen ihre Einstellung zu Themen ändern.

    Mein Tipp:
    Teilen Sie persönliche Erfahrungen
    In Ihrer Kommunikationsstrategie sollten Sie versuchen, vermehrt persönliche Erfahrungen und Geschichten von Betroffenen einzubinden. Durch die Hervorhebung von individuellen Perspektiven in Gleichstellungsfragen erreichen Sie ein tieferes Verständnis und eine größere Empathie bei Ihrem Publikum.

    Fazit:
    Wirken Sie der Polarisierung entgegen
    Die Polarisierung der Gesellschaft scheint in den vergangenen Monaten immer mehr gewachsen zu sein. Doch in einer gespaltenen Gesellschaft kann – wenn überhaupt – nur sehr schwer ein Fortschritt erzielt werden. Darum müssen wir uns bemühen, die Polarisierungstendenzen beim Thema Gleichstellung abzubauen und mit einer inklusiven Kommunikation möglichst viele Menschen mitzunehmen.

    FAQ Bereich

    Für wen ist „Gleichstellung im Blick“?

    „Gleichstellung im Blick“ richtet sich speziell an Frauen-, Gleichstellungs- und Chancengleichheitsbeauftragte im öffentlichen Dienst und der freien Wirtschaft in ganz Deutschland.

    Kann ich „Gleichstellung im Blick“ probelesen?

    Ja. Wir bieten allen interessierten Frauen-, Gleichstellungs- und Chancengleichheitsbeauftragten die Möglichkeit eine Ausgabe 14 Tage lang kostenfrei zu lesen. Sie entscheiden erst dann, ob Sie einen kostenpflichtigen Bezug möchten oder nicht.

    Was bietet mir „Gleichstellung im Blick“?

    „Gleichstellung im Blick“ bietet allen Frauen-, Gleichstellungs- und Chancengleichheitsbeauftragten relevante, aktuelle und rechtssichere Informationen zur Herstellung von Chancengleichheit in der Arbeitswelt. Neben der gedruckten Ausgabe haben Leser*innen die Möglichkeit eine telefonische Sprechstunde für individuelle Fragen in Anspruch zu nehmen. Ebenso laden wir mindestens 1mal pro Jahr zu einem Netzwerktreffen zum Austauschen und Netzwerken ein. Ein Zugang zu einem Onlinebereich, in dem Sie Muster-Initiativanträge, Checklisten, Übersichten und Muster-Schreiben herunterladen können, rundet das Angebot ab.

    Was sind Triggerpunkte in der Gesellschaft?

    In Deutschland können hier beispielhaft die Migration, die Verwendung gendersensibler Sprache oder die Darstellung homosexueller und Trans*-Personen in Schulmaterialien zum Abbau von Vorurteilen genannt werden. Diese Themen kommen einem Trigger gleich, durch den alle Gespräche darüber in der Regel in einer lauten und emotional geführten Debatte enden.

    Entstehen dadurch Meinungslager?

    Eigentlich haben emotionale Debatten keine direkten Auswirkungen auf moralische Vorstellungen. Dennoch lösen sie ein Gefühl der Ablehnung oder des Zuspruchs in Bezug auf ein Thema oder eine Personengruppe aus. Problematisch wird dies, wenn solche Gefühle in der Öffentlichkeit ständig getriggert werden und Menschen sich dazu aufgefordert fühlen, Position zu beziehen. Dieser Vorgang sorgt zunächst für eine gefühlte Spaltung zwischen den Menschen, die in der Bildung von Meinungslagern enden kann.