Digitalisierung mit und für Frauen gestalten

Digitalisierung mit und für Frauen gestalten

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Im Juni dieses Jahres hat die Bundesregierung den Dritten Gleichstellungsbericht beschlossen. Der Bericht wird einmal in jeder Legislaturperiode vorgelegt und liefert eine empirische Bestandsaufnahme zum Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland. Das Gutachten des jetzt veröffentlichten Berichts widmete sich dem Thema geschlechtergerechte Digitalisierung. Der Bericht stellt klar: Beim Thema Digitalisierung ist aus frauenpolitischer Sicht noch viel zu tun.

    Warum ist Digitalisierung überhaupt ein Thema für Frauen?

    Die Digitalisierung transformiert weite Teile unseres Alltags. Sie verändert die Kommunikation, das Zusammenleben, und auch die Arbeitswelt. Werden Frauen nicht explizit mitgedacht in unserer digitalisierten Gesellschaft, drohen Rückschritte in der Gleichstellung.

    Welche Chancen ergeben sich durch die Digitalisierung für Frauen?

    Zum einen ergeben sich in der Digitalisierungsbranche als Treiber der Digitalisierung in Deutschland neue berufliche Möglichkeiten – auch für Frauen. Darüber hinaus verändert die Digitalisierung das Arbeitsleben an sich. Durch den technologischen Fortschritt lassen sich heute viele Arbeiten anders verrichten. Es entstehen neue Tätigkeiten (Stichwort: Plattformarbeit), die mitunter flexiblere Arbeitsweisen ermöglichen. Das vergrößert für viele Frauen, die nach wie vor häufiger (unbezahlte) Sorgearbeit verrichten als Männer, ihre Chance auf Erwerbsarbeit. Und auch bei bestehenden Arbeitsverhältnissen kann die Digitalisierung für Vereinfachung und Entlastungen der Arbeitnehmer*innen sorgen (Stichwort: Homeoffice).

    Welche Risiken birgt die Digitalisierung für Frauen?

    Der Gleichstellungsbericht zeigt: In der Digitalwirtschaft arbeiten über 80 Prozent Männer. Frauen steigen dort selten die Karriereleiter auf und sie verlassen die Branche deutlich häufiger wieder als Männer. Das birgt Gefahren. Denn damit fehlt bei der Entwicklung von Programmen und Spielen, von Hard- und Software die Perspektive von Frauen – und die Gefahr von diskriminierender Technologie, die unseren Alltag bestimmt, steigt entsprechend.

    Auch die digitalisierte Arbeitswelt birgt Gefahren für Frauen. Beispiel Plattformarbeit: Hier werden die Arbeitenden häufig als Soloselbständige beschäftigt, dadurch fehlt die soziale Absicherung. Die prekäre Situation der Plattformarbeiter*innen verschärft zudem Risiken wie niedrige Einkommen, Gewalterfahrungen und sexuelle Belästigung.

    Und nicht zuletzt stellen digitale Medien – Facebook, Twitter und Co – Gefahren für Frauen dar. Frauenhass und psychische Gewalt im Netz sind ein enormes Problem, das bislang nur unzureichend bekämpft wird. Mit entsprechenden Konsequenzen für die analoge Welt. Denn längst ist klar: Der Hass im Netz bleibt nicht digital.

    Welche Handlungsempfehlungen gibt es?

    Das Gutachten im Gleichstellungsbericht zeigt vielfältige gesellschaftspolitische Möglichkeiten für eine geschlechtergerechte Digitalisierung. Der Abbau von Zugangsbarrieren für Frauen in die Digitalwirtschaft etwa oder auch die soziale Absicherung von Plattformarbeitenden sind Beispiele dafür. Ob diese Empfehlungen in den kommenden Jahren umgesetzt werden, bleibt abzuwarten.

    Worauf können Sie als Gleichstellungsbeauftragte achten?

    Als Gleichstellungsbeauftragte haben Sie die Möglichkeit, die Digitalisierung aus frauenpolitischer Sicht zu begleiten. Dabei können Ihnen folgende Fragen helfen: Welche Technologien kommen bei der Personalauswahl zum Einsatz? Welche Technologien könnten eingesetzt werden, um für mehr Flexibilität in der Arbeit zu sorgen? Wer trifft Entscheidungen im Bereich Digitalisierung – und sind Frauen dort ausreichend repräsentiert? Wenn Sie einen kritischen Blick auf die Digitalisierung in Ihrem Arbeitsumfeld werfen, können Sie aktiv dazu beitragen, dass die Digitalisierung auch für Frauen mehr Chancen als Risiken birgt.

    Weitere Infos zum Thema finden Sie auch im Beitrag „Was Sie gegen die Gefahr digitalisierter Diskriminierung tun können“